Allerheiligen und Allerseelen: Bedeutung und Bräuche

Friedhof in der Abenddämmerung im November mit roten Grablichtern und Herbstlaub

Anfang November wird es auf den Friedhöfen still und hell zugleich: Familien richten die Gräber her, und am Abend leuchten überall rote Grablichter. Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am 2. November gehören zusammen, meinen aber nicht dasselbe. Hier erfährst du, was hinter beiden Tagen steht, woher sie kommen und welche Bräuche bis heute lebendig sind.

Allerheiligen: das Fest aller Heiligen

An Allerheiligen feiert die katholische Kirche alle Heiligen, nicht nur die bekannten mit eigenem Gedenktag. Gemeint sind auch die vielen Menschen, deren Namen niemand kennt und die trotzdem ein Leben aus dem Glauben geführt haben. Allerheiligen ist ein Hochfest, also ein Fest höchsten Ranges. In der evangelischen Kirche hat der 1. November keinen eigenen Rang; sie erinnert am Ewigkeitssonntag Ende November an die Verstorbenen.

In Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist Allerheiligen gesetzlicher Feiertag, in Österreich ebenfalls.

Allerseelen: Gebet für die Verstorbenen

Am 2. November denkt die Kirche an alle Verstorbenen und betet für sie. Dahinter steht der Glaube, dass die Gemeinschaft mit unseren Toten nicht abreißt und dass unser Gebet ihnen helfen kann. Allerseelen ist kein Feiertag, wird aber in vielen Gemeinden mit einem Gottesdienst begangen, in dem die Namen der Verstorbenen des vergangenen Jahres verlesen werden.

Woher kommen die beiden Feste?

Schon die frühe Kirche erinnerte an ihre Märtyrer. Im Jahr 609 oder 610 weihte Papst Bonifatius IV. das Pantheon in Rom der Gottesmutter und allen Märtyrern. Nach verbreiteter Darstellung legte Papst Gregor III. im 8. Jahrhundert das Fest aller Heiligen auf den 1. November, und Papst Gregor IV. dehnte es 835 auf die ganze westliche Kirche aus.

Allerseelen geht auf Abt Odilo von Cluny zurück. Er ordnete um das Jahr 998 für die Klöster seines Verbandes an, am Tag nach Allerheiligen aller Verstorbenen zu gedenken. Der Brauch verbreitete sich schnell in der ganzen Kirche.

Bräuche an Allerheiligen und Allerseelen

Gräberbesuch und Gräbersegnung

Weil Allerheiligen ein Feiertag ist, findet der Friedhofsbesuch meist schon am 1. November statt. Viele Gemeinden gehen am Nachmittag in einer kleinen Prozession über den Friedhof, beten für die Verstorbenen und segnen die Gräber mit Weihwasser.

Das Licht auf dem Grab

Das rote Grablicht ist ein Zeichen der Hoffnung: Christus ist das Licht, das auch im Tod nicht erlischt. Viele Familien zünden es am Allerheiligentag an und lassen es über Nacht brennen.

Herbstlicher Grabschmuck

Vor Allerheiligen werden die Gräber winterfest gemacht, mit Tannenzweigen, Heidekraut oder Gestecken. Für viele ist das ein ruhiger Moment des Erinnerns, oft gemeinsam mit den Kindern.

Allerseelenzopf und Seelenwecken

In Bayern und Österreich backt man zu Allerseelen süße Hefezöpfe, den Allerseelenzopf oder Seelenwecken. Früher wurden sie an Arme verteilt, verbunden mit der Bitte, für die Verstorbenen zu beten. Heute bekommen oft die Patenkinder einen Zopf.

Gebet und Gottesdienst

In den ersten Novembertagen besuchen viele Menschen die Messe und beten für ihre Verstorbenen. In der katholischen Tradition ist mit dem Friedhofsbesuch und dem Gebet für die Verstorbenen vom 1. bis 8. November ein besonderer Ablass verbunden. Was genau dazugehört, erklärt dir deine Gemeinde.

Und Halloween?

Der Abend vor Allerheiligen heißt im Englischen „All Hallows’ Eve“, daraus wurde Halloween. Wie die Kirche auf den Brauch mit Kürbissen und Kostümen schaut, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Halloween und die katholische Kirche.

Allerheiligen mit Kindern erklären

Kinder verstehen Allerheiligen gut über Geschichten. Erzähl von einem Heiligen, nach dem jemand in der Familie benannt ist, oder lies gemeinsam im Heiligen-Lexikon nach. Auf dem Friedhof dürfen Kinder das Licht anzünden und erzählen, woran sie sich bei Oma oder Opa erinnern. Ein kurzes Gebet zum Abschluss hilft, den Tag gut zu beenden:

Guter Gott, wir denken an alle, die wir lieb hatten und die gestorben sind. Lass sie bei dir geborgen sein und schenke uns Trost und Hoffnung. Amen.

Schlichte, eigene Formulierung zum Mitbeten.

Zeichen der Erinnerung und des Trostes

Wenn jemand um einen Menschen trauert, sagt ein kleines Zeichen manchmal mehr als viele Worte. Ein Trostkreuz aus Olivenholz oder ein Handschmeichler-Kreuz liegt gut in der Hand und kann beim Gebet begleiten. Für das Gebet für die Verstorbenen eignet sich auch ein Rosenkranz; eine Anleitung findest du in Rosenkranz beten: Anleitung und Geheimnisse, eine Auswahl in unserer Kollektion Rosenkränze.

Gedenken zu Hause gestalten

Nicht jeder kann im November zum Grab fahren. Manche Gräber liegen weit weg, andere Verstorbene haben gar kein Grab in der Nähe. Ein stiller Ort zu Hause kann dann helfen: ein Foto, ein kleines Kreuz und ein Moment am Abend, in dem die Familie an die Verstorbenen denkt.

  • Namen aussprechen: Schreibt die Namen der Menschen auf, an die ihr denkt, und sprecht sie beim Gebet laut aus.
  • Erinnerungen teilen: Jeder erzählt eine kleine Geschichte oder etwas, wofür er dankbar ist.
  • Vergessene Gräber besuchen: Ein schöner Brauch ist es, auf dem Friedhof auch an einem Grab zu beten, um das sich niemand mehr kümmert.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?

An Allerheiligen am 1. November feiert die Kirche alle Heiligen. An Allerseelen am 2. November betet sie für alle Verstorbenen.

Ist Allerheiligen ein Feiertag?

Ja, in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sowie in Österreich. Allerseelen ist kein gesetzlicher Feiertag.

Warum geht man an Allerheiligen auf den Friedhof und nicht an Allerseelen?

Eigentlich gehört der Gräberbesuch zu Allerseelen. Weil Allerheiligen aber vielerorts ein freier Tag ist, findet der Friedhofsbesuch mit Gräbersegnung meist schon am 1. November statt.

Was bedeutet das rote Licht auf dem Grab?

Es ist ein Zeichen der Hoffnung auf die Auferstehung. Das Licht erinnert an Christus, der den Tod überwunden hat.

Geschrieben von Denis & Belinda. Wir führen LUNEXUS und beantworten deine Fragen gern persönlich unter 030 2178 2502 oder hallo@lunexus.world.

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